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Untere Auenstr. 3
08451 Crimmitschau
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Steinmetzatelier
Andreas Friedrich Scherzer

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Am Anfang war der Gedanke…und der Gedanke ward Wirklichkeit… 

Es ist sicherlich eine der größten Herausforderungen für jeden Steinmetz die Gedanken und Vorstellungen eines anderen zu realisieren und in Stein zu verewigen. Viel Einfühlungsvermögen, zahlreiche Entwürfe und Gespräche sind nötig, um sicherzustellen, dass das fertige Werk aus Stein auch den Wünschen des Kunden gerecht wird. Diese Zeit nehmen wir uns vor dem ersten Hammerschlag – denn ist der Meißel erst einmal angesetzt ist es für ein Umdenken meist zu spät. 

Wir wollen hier anhand unserer Fotos einmal dokumentieren, wie dieser Prozess vom „Gedanken“ zum fertigen Stein abläuft 

 

Die Arbeit am Stein    

Zielstellung ist die genauest mögliche, steinerne Reproduktion eines Gedanken.

 

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Der erste Schritt bei dieser Unternehmung ist das intensive Gespräch. Es dient zur Formulierung bestimmter Wünsche und Vorstellungen, die guten Gewissens phantasievoll und sensibel von Sender und Empfänger umschrieben werden. Bei unserem ging es um eine Sonne, die einen Kometen hervorbringt, in dessen Mitte ein behauener Stein zu sehen ist. Der Steinmetz versucht nun, das Bild vom fertigen Stein in sich aufzubauen. Er vergleicht Vorstellbares mit Machbarem und versucht Grundstrukturen,Symbolik und Details einzuarbeiten.

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So entstehen erste Entwürfe die jetzt vom Versender der Informationen mit dem verglichen werden, was er eigentlich versenden wollte. Das heißt, welcher der Lösungsvorschläge seinem Ideal am Nähesten kommt. Ist dieser dann gefunden  werden noch kleine Detaillösungen besprochen und der nun schon wesentlich genauere Entwurf gezeichnet.

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Es können auch einzelne Teile des Ganzen zunächst außen vor gelassen werden, um sie zu späterem Zeitpunkt, ja noch während der Arbeit, genauer zu definieren. Auch hat der Stein hin und wieder noch eine Besonderheit, die es zu berücksichtigen, wenn nicht sogar zu nutzen gilt, doch dazu später mehr.

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Entsprechend der Maße und weiterer Gesichtspunkte wird der Stein ausgewählt und in die Werkstatt gebracht. Manchmal machen es die Maße auch erforderlich, daß man die Werkstatt zum Stein bringt.

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In unserem Fall konnte ich wenigstens im selben Grundstück bleiben.

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Bevor die eigentliche Arbeit am Stein beginnen konnte, mußte der Stein zu Wort kommen. Für dieses Projekt war also Rochlitzer Porphyr ausgewählt worden, der mir dank wohlwollender Fügung in gesägter Form vorlag. An diesen glatten Flächen läßt sich recht gut erkennen, welche Besonderheiten im Stein zu erwarten sind. Schließlich entstammt unser Rohstein einem Felsmassiv, welches einem Urzeitvulkan “im Halse stecken blieb“. Es waren also zahlreiche Einschlüsse von Fremdgestein, Luftporen in verschiedener Anzahl und Dichte und sogar uralte Risse im Gestein zu erwarten. Die Größe der Kluften reicht von mikroskopisch klein bis zu mehreren Millimetern Breite und im Verlauf der Zeit verschlossen sie sich mit verschiedenen Mineralien.
 

Im Normalfall sind die Füllungen von ähnlichen Eigenschaften wie das Urgestein und die vermeintlichen Risse sind nur optischer Natur. Manchmal ist die Füllung jedoch auch sehr mangelhaft in ihrer Stabilität und hat daher Einfluß auf die Verwendbarkeit des Steines. Solche Schwefeladern beispielsweise sind zwar schön anzuschauen, halten jedoch nicht den Stein zusammen.

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Ist die Ausgangslage soweit klar,  legt sich der Steinmetz einen Arbeitsplan zurecht. Er muß entscheiden, in welcher Reihenfolge die verdeckenden Gesteinspartien entfernt werden sollen. Mit der Seitenansicht ging es los. Nach dem Übertragen der Zeichnung auf den Stein konnte jetzt das in der Mitte hochstehende Material abgetragen werden.

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Nach eingehender Betrachtung des Rohsteines entschied ich mich, die noch ungesägte Seite des Quaders zu begradigen und sie als unterste, die Stellfläche, zu definieren. Ich sollte hier erwähnen, daß eine Menge „Bauchgefühl“ oder besser Eingebung zur Entscheidungsfindung beiträgt, denn in das Innere können wir nur schwer schauen.

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Bei diesem ersten richtig „in die Tiefe schauen“ zeigten sich alsbald die ersten unliebsamen „verborgenen Schätze“. Feine offene Haarrisse oder Kieselnester und auch die eine oder andere Schwefelader waren plötzlich zu erkennen. Doch allesamt, wenn auch oft recht knapp, liegen außerhalb des gesuchten, fertigen Steines

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Als nächstes begann die Arbeit von innen heraus, die oftmals sehr viel Vorstellungskraft erfordert.

Manche Arbeitslinien entstehen erst beim Bearbeiten und bedürfen der ständigen Kontrolle. Ist das Innere soweit freigelegt, wird sich zur Umgebung vorgearbeitet.

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Auf diese Weise projiziert man die Vorderansicht auf den bereits behauenen Stein und vervollkommnet allmählich das dreidimensionale Gebilde.

 

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Dabei ist es wichtig, sich jeder Zeit auf die bereits bewältigte Arbeit verlassen zu können, was heißt, ohne genaues Arbeiten geht nichts.

 

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So allmählich gingen mir dann die bearbeitbaren, oder besser erreichbaren, Teilflächen aus und der Stein mußte aufrecht gestellt werden.

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Stück für Stück werden jetzt alle übrigen, verborgenen Umrisse von ihrem steinernen Mantel befreit. Dabei geht man immer nach dem gleichen Prinzip vor. Die angezeichneten Konturen werden mit scharfen Meißelhieben „eingebeizt“, also entlang der Linie in Erhalten und verwerfen getrennt. 

 

Das zwischen den Rändern der Beizhiebe Befindliche wird nun zunächst grob abgespitzt. Dann wird mittels Schlageisen der eingebeizte Grad etwa rechtwinklig zur Seitenfläche nachgearbeitet.

 

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Stete Kontrolle ist auch hier von Bedeutung und bei „“runden Ecken“ muß eben eine Schablone her.

 

Dieser sogenannte Schlag kennzeichnet die Begrenzung der Oberfläche. Diese wird im folgenden mit immer feiner werdendem Werkzeug vollendet.

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Um das eine zu erhalten, muß das andere zunächst geschaffen werden. Für das Abrunden der Sonnenscheibe war vorerst die Begradigung der Rückseite notwendig, um dann auf dieser Fläche den exakten Kreisbogen anzeichnen zu können. Gleichwie mehr von dem fertigen Grabmal zu sehen war, machte ich mir Gedanken um die Platzierung der Inschrift. Meinen ersten Gedanken von – auf dem Würfel – hatte ich verworfen. Irgendwie wäre die Schrift dort fehl am Platz, dachte ich. Aber sie sollte schon in Bezug zu dem Kubus stehen und nicht einfach so auf der Rückseite. Vielleicht auf der Sonnenscheibe – war mein zweiter Ansatz. Der Stein wußte schon mehr und gab sein Geheimnis preis, als ich die Rundung der Sonnenscheibe anpaßte.

 

Mein Bild von der Schrift sieht nun so aus:

In der Reihenfolge, Geburt, Name, Tod, läuft der Schriftzug außen um die Sonnenscheibe herum. So folgt er dem Lauf der Zeit, um nach kurzer Pause von Neuem zu beginnen. Die Arbeit am Stein schreitet über viele Leben hinfort. Der zu behauende Stein hat mit dem Namen nicht viel mehr zu tun, als das der Körper, in dem er gerade wohnt, eben diesen Namen trägt. Aber dennoch gehören sie unzertrennlich zusammen und dieser Zusammenhang wird von den Sonnenstrahlen bezeugt, die diesen Namen in das Universum schreiben. Die Schriftform wurde erhaben gewählt, um das Heraustreten aus der Sonne noch zu unterstreichen ...

   

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